Der Wettbewerb um die digitale Brieftasche ist längst in vollem Gange. Die Anzahl an Startups in der Finanzdienstleistungsbranche hat in den letzten Jahren um Faktor 10 zugenommen. Und viele haben in einem ersten Schritt das elektronische Bezahlen (neu-dt.: Payment) im Fokus. Denn wer die Schnittstelle zwischen Kunde und Bank beherrscht, hat weitreichende Möglichkeiten seine Wertschöpfungskette zu verlängern.

Überlegenes Kundenerlebnis in bargeldlosem Bezahlen durch eine integrierte digitale Lösung

ePayment-apple_pay_reader_660.0Am 14. September hat Apple seine Vorstellung von mobiler Zahlung „Apple Pay“ vorgestellt. Die Einführung erinnert mich ein Stückweit an den Launch von iTunes und den iPod oder an den App Store in Verbindung mit dem iPhone. Denn Apple Pay wird nicht als eigenständiger Service in den Markt eingeführt. Der Service ist in ein ganzes Ökosystem eingebunden und „verappled“ mit einer Kombination aus Hardware (iPhone 6 als Smartphone mit NFC Fähigkeit, Authentifizierung u.a. über den Fingerabdruck), Software (Passbook) und einem neuen Service an initial rund 220 Tausend Zahlungsterminals (Apple Pay).

Value-Proposition-Apple-PayApple verspricht durch die integrierte Lösung ein überlegenes Kundenerlebnis gegenüber fragmentierten Lösungen. Ich bin überzeugt, dass dieser integrierte Ansatz erneut einen entscheidenden Erfolgsfaktor gegenüber anderen mobilen Payment Anbietern darstellen könnte. Der Service ist (Stand heute) jedoch auch eindeutig limitiert auf jene Menschen, die auch Teil des Apple Ökosystems sind und ein iPhone 6 besitzen.

Über Erfolg und Misserfolg entscheiden aber nicht nur die Konsumenten durch den Einsatz des Zahlungsmittels. Ein ganz entscheidender Aspekt im Geschäftsmodell ist, wie das heute vorherrschende Ökosystem behandelt und eingebunden wird.

Das Geschäftsmodell ist auf Kooperation mit dem bestehenden Ökosystem ausgelegt

Apple startet mit einer kritischen Grösse von rund 220 Tausend Annahmestellen von Apple Pay. Das ist für den Launch eine beachtliche Zahlung. Zudem hat Apple den nötigen Absender, um diese Zahl auch schnell erhöhen zu können. Unter dem Strich ein absolutes Muss für den Erfolg des Services.

Nicht minder interessant finde ich, wie die weiteren Unternehmen in der Zahlungsabwicklung mit eingebunden werden. Während zahlreiche andere ePayment Anbieter versuchen das bestehende Ökosystem der Zahlungsabwicklung teils oder ganz zu umgehen, bindet Apple Pay das heute dominierende System mit in das Geschäftsmodell ein.

Die heutigen Zahlungsanbieter werden nicht umgangen, wie in anderen Servicemodellen der Wettbewerber. Sowohl die kreditkartenherausgebenden Banken als auch die Zahlungsabwickler werden ins System eingebunden. Sie verdienen weiterhin an der bargeldlosen Bezahlung, denen eine Kreditkarte zugrunde liegt.

Das Geschäftsmodell von Apple Pay | Quelle: Strategyzer.com http://blog.strategyzer.com/posts/2014/10/30/apple-pays-uncopyable-business-model-delivers-what-nobody-else-could

Das Geschäftsmodell von Apple Pay | Quelle: Strategyzer.com http://blog.strategyzer.com/posts/2014/10/30/apple-pays-uncopyable-business-model-delivers-what-nobody-else-could

Für die Konsumenten entstehen durch den Einsatz von Apple Pay keine Kosten. Auch den Zahlungsempfängern entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Annahme von Apple Pay. Einzig die Kreditkartenherausgeber bezahlen eine Transaktionsgebühr von 0.15 bis 0.25 Dollar. Die Gebühr wird dafür erhoben, dass durch die zusätzlichen Sicherheitsmechanismen, die Apple Pay gegenüber der klassischen Kreditkarte aufweist, die Sicherheit in der bargeldlosen Zahlung erhöht und die Kosten für Kreditkartenbetrug reduziert werden sollen.

Apple ist also mit einem Geschäftsmodell angetreten, das versucht das bestehende System sicherer und bequemer zu machen, ohne bestehende, starke Akteure zu umgehen und schlechter zu stellen.

Dieses Kooperationsmodell könnte der entscheidende strategische Vorteil gegenüber dem Wettbewerb sein. Händler, Banken und Kreditkartenherausgeber können in diesem System miteinander arbeiten und ein System etablieren, welches durch zunehmende Verbreitung immer attraktiver werden kann.

Die Gretchenfrage: akzeptieren die Konsumente Apple als Zahlungsabwickler?

Apple hat nicht den ersten mp3 Player lanciert, aber das erste Ökosystem für digitale Musik etabliert.
Von Neuem hat das Unternehmen aus Kalifornien nicht einfach einen neuen Service entwickelt, sondern ein integriertes Geschäftsmodell in einem historisch gewachsenen Ökosystem für Bezahlung mit starken, etablierten Akteueren, in den Markt eingeführt.

Die entscheidende offene Frage und gleichzeitig auch die unberechenbarste Seite des Geschäftsmodells ist die Akzeptanz der Konsumenten. Diese sind jetzt am Zug. Es wird sich zeigen, ob es Apple gelingt ein weiteres Ökosystem als Follower zu bearbeiten und zum dominierenden Akteure im Markt zu werden.

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